Maulwerker Ensemble

Das Ensemble hat in den letzten zwanzig Jahren eine spezifische Praxis der Zusammenarbeit entwickelt, die kompositorische, konzeptionelle, musikalische und performative Erfahrungen miteinander verbindet. Neben den Kollaborationen mit einzelnen Künstlern und Komponisten, entstehen auch immer wieder kollektiv erarbeitete Kompositionen, die die Stärken und Eigenheiten der Maulwerker besonders hervortreten lassen.

Schramme am Himmel(1995/96)
nach Gedichten von Chlebnikov
für sechs Stimmen

Voyage puré
(2002/03)
für fünf Stimmen und Instrumente

Crossing the Punch Line (2012)
für vier Stimmen Objekte, Trompete
und Gitarre

Maulwerker - Ensemblekompositionen

Das Ensemble bestritt die Uraufführungen der wichtigsten musiktheatralen Werke Schnebels, die entweder im Probenprozess mit den Maulwerkern entstanden oder ihnen, wie die Schau-Stücke oder die Kafka-Dramolette, auf den Leib geschrieben sind. Schnebels Grundlagenwerk moderner Vokalmusik – die Materialkomposition Maulwerke – realisierte das Ensemble in verschiedenen, auch szenischen Versionen.


Crossing the Punch Line
Kollektivkomposition 2012/13, erweiterte Fassung für 2017 in Planung

Eine verstärkte Tischplatte, Teller, Suppenterrine, Tassen, Küchengerät, Plastikbecher, Murmeln, Luftpumpe, Wassergläser – eine Situation, deren Mischung aus Alltag und übergenau kalkulierter Aufstellung objekthafter Details an hyperrealistische Foto-Kunst erinnert.

So sehr auch die Aktionen der sechs Performer durch den Fokus der Tisch-gesellschaft in eine Variante des Familienromans oder einer bedrohten Geselligkeit umzuschlagen drohen – der Kern des Stücks ist eine Liste von Geräuschaktionen: Rollen, Rotieren, Schaben, Kratzen, Vibrieren, Quietschen, Luftstöße, Verschütten, Sprudeln. Das Klangmaterial, durch spezielle Mikrophonierung verstärkt, wird zum Motor der Aktionen: In der Verbindung dieser „ungestischen“ Objekt-Klänge und Motive mit Sprachfetzen, experimentellen Vokalaktionen, Gesang, Atem und behutsam-virtuosen Choreographien aus Alltagshandlungen, liegt der theatrale wie auch musikalische Kern von Crossing the Punch Line. Ohne Narration und subjektivem Ausdruck – Theater, das sich als abstrakte Komposition versteht. Hinter der unangestrengten, aber verbindlichen Choreographie und experimenteller Vokal- und Instrumentalkunst, in der die Performer spielerisch-forschend den Klängen ebenso ungezwungen wie obsessiv folgen, scheinen für das Publikum – in hyperrealen Momenten – Ausdruck und Drama auf.

Crossing the Punch Line wurde auf Einladung von DE PLAYER und den Operadagen Rotterdam 2012 für das Witte de With Center for Contemporary Art entwickelt, kollektiv komponiert von den vier Maulwerkern Ariane Jessulat, Henrik Kairies, Christian Kesten und Steffi Weismann. Für 2017 soll eine überarbeitete Fassung mit neu generiertem Material für sechs Maulwerker entstehen, unter Einbeziehung der beiden Ensemblemitglieder Michael Hirsch und Katarina Rasinski.

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Voyage puré

Auf der Basis von Koch-und Reiseliteratur entstand im Sommer 2002 die Ensemble-komposition Voyage puré für fünf Vokalsolisten und Instrumente. In der Aufeinanderfolge prozesshafter und szenischer Aktionen bewegen sich Stimmen durch den Raum: fahrend, gehend, reisend, suchend. Spannung entsteht aus der Überlagerung des reellen Raums mit dem musikalisch erzeugten Raum und schließlich mit den durchreisten Räumen, von denen die Texte erzählen. Manchmal fallen die drei Raumvorstellungen zusammen. Es finden starke, manchmal brutale Eingriffe in den Text statt: Die formelhafte Aufzählung eines Kochrezepts entfaltet ihr musikalisches Potential in virtuos sich verdichtenden Vokalaktionen, die an die elektronische Musik der 70-er Jahre erinnern, in bizarren Abzählreimen, in rituellen Gesängen.
Die stilistische Bandbreite der musikalischen Elemente reicht von gesprochener Sprache über geräuschhafte Vokalaktionen und verfremdetes Singen bis zum Operngesang. „Voyage puré“ beginnt mit einer Hörspielsituation und öffnet sich im Verlauf des Stückes zum Raum. Die Spieler wechseln die Positionen in komponierten Gängen und finden sich schließlich in einer kurzen Theaterszene an einer traditionellen, aber pervertierten Mittagstafel. (Ariane Jessulat)

Uraufführung: 6. Okt. 2002, X. RANDSPIELE, Sankt-Annen-Kirche Zepernick
Die Maulwerker: Ariane Jeßulat, Henrik Kairies, Christian Kesten, Katarina Rasinski, Steffi Weismann
überarbeitete Fassung: 19.09.2003, Ballhaus Naunystraße: DISPERSIONEN – ein Abend zwischen Konzert und Musiktheater
31. Jan. 2004, 100°– Das Lange Wochenende des Freien Theaters, Berlin, HAU1

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Schramme am Himmel 

nach Gedichten von Velimir Chlebnikov für sechs Stimmen 2. - 11. Sept. 1995, 45. Berliner Festwochen 1995, Hochschule der Künste Berlin, Theater- und ProbenSaal

Szenische Fassung in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Bühnenkostüm (Cornelia Brey, Dorothee Malpass, Susana Mendoza, Markus Meyer, Regine Standfuß); Musikalische Bearbeitung und Darstellung: Die Maulwerker (Anna Clementi, Ariane Jessulat, Christian Kesten, Katarina Rasinski, Barbara Thun); Regie: Martin Rupprecht
Konzertante Fassung18. April 1997, Festival CLUSTER. Forum Neue Musik Thüringen, E-Werk, Weimar 27. - 29. Juni 1997, Kunstschiff Anna, Fischerinsel, Berlin Mitte