Maulwerke 2010
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Tante Marianne
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Alex Nowitz: Tante Marianne


für eine Frauenstimme und 4-Kanal-Zuspiel
Neue Fassung von 2010, 10:36 Min. (alte Fassung für Stimme solo, 2007)
Uraufführung am 23. Sept. 2010 Villa Elisabeth Berlin
im Rahmen von SPEAKERS - Stimmen & Lautsprecher
Interpretin: Ariane Jessulat

Tante Marianne – nach einem Gemälde von Gerhard Richter

Die Komposition Tante Marianne kreist um das von Gerhard Richter gemalte, gleichnamige Bild und um den Leidensweg der Portraitierten. Der emphatische Ausruf „Von Licht und Geist durchdrungen wollen wir leben“, das Leben einer Schicksalsgenossin Mariannes, der Malerin Elfriede Lohse-Wächtler, ist als Interpretationsanweisung und als zusätzliches Klangmaterial in die Komposition mit eingewoben, aber nicht darauf angelegt, in seiner Ausgangsform wiedererkannt zu werden. Das Klangmaterial des Zuspiels für vier Kanäle stammt ausschließlich von der Interpretin Ariane Jessulat und wurde zum Teil im Studio bearbeitet. Diverse Arten der Verkrebsung des Stimmklangmaterials, Zerdehnung und Aufspaltung von Wortbestandteilen, invers erzeugte und andere ungewöhnliche Stimmklänge sowie die Einbindung von Schwebungen und Differenztönen sind allesamt Mittel des Versuches, den Ausdrucksgrad an jene Grenzen zu treiben, welche die Komposition zu einer Art Katalog des Schmerzes machen.

Hintergrund:
Tante Marianne war ein schönes Kind. Noch im Abstand vieler Jahre erscheint sie dem Neffen Gerhard (Richter) so rein, so hübsch, so artig, dass er ohne Zögern erklärt: sie sieht aus wie eine Madonna.“ So schreibt der Autor des Buches Ein Maler aus Deutschland – Gerhard Richter. Das Drama einer Familie, Jürgen Schreiber, am 19.8.2005 in der FAZ.

Marianne Schönfelder wurde 1933 von Nazi-Ärzten mit der Nummer „14“ gebrandmarkt, der Kennziffer für den „schizophrenen Formenkreis“. Es beginnt eine Passion unvorstellbaren Ausmaßes. Sie fällt in die Hände der NS-Psychiatrie, wird mit 21 Jahren zur „Unfruchtbarmachung“ verurteilt und 1945 nach langem Leidensweg als eines von 250 000 Euthanasie-Opfern ermordet. Im gleichen Zeitraum hat der frühere Schwiegervater Richters, Prof. Dr. Heinrich Eufinger, ein Nazi der ersten Stunde als SS-Obersturmbannführer und Direktor der Frauenklinik Dresden-Friedrichstadt nahezu 1000 Zwangssterilisierungen an Psychiatriepatientinnen zu verantworten. Dass dieser in der DDR und später in der BRD unbehelligt die Karriereleiter emporklomm, ist empörend. Dass er den jungen Gerhard Richter, der zu einem der teuersten, lebenden Malern weltweit werden sollte, finanziell unterstützte und ihm damit zu einem nicht unbeträchtlichen Karrieresprung verhalf, macht diesen Fall zusätzlich brisant.