Alessandro Bosetti
Trinitaire (2015)
für 3 Stimmen, 9:30 Min.

writing through genesis
(2015)
Radioproduktion, für 6 Stimmen,
44 Min.

The Pool and the Soup
(2007)
für 4 - 9 Sprecher,
Dauer 10-18 Min. (variabel)

Ouagá (2004/2006)
für 4 Stimmen und Zuspiel ,6 Min.
(*1973, Mailand) Komponist, Saxophonist und Klangkünstler.

In seiner Arbeit bewegt er sich auf der Grenze zwischen Klanganthropologie und Komposition. Feldforschung und Interviews bilden oftmals die Basis für seine abstrakten Kompositionen. Er arbeitet auch mit der Musikalität des gesprochenen Wortes oder ungewöhnlichen Aspekten sprachlicher Kommunikation und präsentiert seine Arbeit in Live-Performances, Radio-Hörstücken oder Aufnahmen für Labels experimenteller Musik.

Aufführungen in ganz Europa, USA und Japan, Radiosendungen und Platten-Veröffentlichungen in Europa, Neuseeland, USA. Lebte und arbeitete lange Jahre in Berlin, seit kurzem in Baltimore/USA.



Trinitaire (2015) > see video
Trinitaire ist ein sehr visuelles Musikstück , das eine Familienkonstellation in ihren einfachsten Zügen nachzeichnet. Das Stück basiert auf Repetitionen, Permutationen und dem ständigen Tanz der Generationen. Trinitaire teilt sich in zwei Teile: der erste ist ein homorhythmischer Chor, pulsierend und schnell, in dem aus einfachen Permutationen weniger Wörter (mère – Mutter; père – Vater; sœur – Schwester; frère – Bruder) eine schnelle Folge flimmernder phonetischer Akkorde entsteht. Die vier Figuren streiten um die drei allein verfügbaren Plätze in einem waghalsigen Tanz der Kombinationen. Der erste Teil von Trinitaire ist als von Hand gezeichnete graphische Partitur notiert, aus der alle drei Ausführenden gleichzeitig lesen. Auf den ersten Blick sieht die Partitur wie endlose Wiederholungen von Bleistiftgraphemen aus, die schließlich von mysteriösen und parasitären Formen infiltriert werden. Der zweite Teil springt abrupt zu einer komplett anderen Dynamik: die drei Stimmen singen weiche Glissandi, die an Sinustöne erinnern. Diese fast im Raum handgreiflich sichtbaren Linien sind nicht konkret notiert, jedoch unterliegen einem regulierenden System, in dem die Dynamik der Begegnungen das Zeichnen der Linien bestimmt. Trinitaire ist ein einfaches, asymmetrisches Stück, in dem für Bosettis Musik typische Elemente erscheinen: Repetition, Sprache und Biographie.

The Pool and the Soup (2007)
Alessandro Bosetti verbindet in seinem Stück The Pool and the Soup sein Interesse für die Musikalität von Sprache und seine Vorliebe für 'game pieces’. Das Material besteht ausschließlich aus frei inspiriertem Sprechen und wird anhand von Spielregeln organisiert. Ein Prompter instruiert die Sprecher durch Handzeichen und organisiert so Formen wie Solo, Duo oder Tutti, oder beeinflusst musikalische Parameter wie Tonhöhe, Tempo, Lautstärke usw. Bosetti interessiert das Verhältnis von Individuum und Gruppe bzw. der „Chaos-Aspekt“ einer Gruppe und wie sich darin Strukturen ausformen.

Ouagá (2004/2006)
Eine ungeschnittene Feldaufnahme fußballspielender Kinder in einem Hof in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Ein Vokalquartett, das damit verschmilzt, nicht verschmilzt, damit/dagegen spielt, Äußerungen sampelt, Regeln hintergeht, Vielfalt behauptet, Vielfalt wieder vergisst. Die vier Vokalisten haben aus der originalen Feldaufnahme einen Fundus an Klängen ausgewählt und diese auswendig gelernt. Indem sie vom Komponisten gegebenen Regeln folgen und sich gegenseitig Instruktionen geben, konstruieren sie das Stück jedes Mal neu.